Ganzheitliche Prophylaxe
Prävention, Prophylaxe, Selbstverantwortung und Gesundheitserziehung sind Begriffe, welche häufig zu lesen und zu hören sind. Die Zunahme der chronischen Erkrankungen und die ständig steigenden Behandlungskosten rücken das Thema „persönliche Gesundheitsvorsorge“ immer mehr in den Mittelpunkt des täglichen Lebens.
Dieser Wandel ist sehr begrüßenswert, da jeder für sich am besten in der Lage ist, mit entsprechenden Maßnahmen und Veränderungen seine Lebensordnung im Gleichgewicht zu halten. Denn die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus bieten ungeahnte Möglichkeiten aus seelischen und körperlichen Tiefs herauszukommen.
Pro Tag werden ca. 600 Milliarden Körperzellen ersetzt. Bei ca. 65 Billionen Zellen bedeutet das: Nach gut drei Monaten sind wir fast komplett „erneuert“.
Dieses innere Ordnungsprinzip benötigt und verdient unsere Unterstützung und Mithilfe. Wie schon erwähnt, werden fast alle Körperzellen erneuert. Eine Ausnahme bilden die Ameloblasten (Zahnschmelzbildner). Beim Durchbruch der Milch- bzw. bleibenden Zähne sterben die schmelzbildenden Zellen ab. Somit ist die Fähigkeit, die härteste Substanz des Körpers zu ersetzen, verloren gegangen.
Diese äußere Hülle des Zahnes ist täglich den unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Enormer Kaudruck, chemische und biochemische Reize sowie Temperaturschwankungen wirken zeitweise rund um die Uhr. Das ist der Grund, warum dieser Teil des Körpers besonders gepflegt und betreut werden sollte.
Die Verwendung von Zahnbürsten (mechanisch/elektrisch), Mundduschen und diversen Zahnpasten ist unerlässlich und sollte fester Bestandteil der regelmäßigen Mundhygiene sein. Unsere Zahn- und Mundgesundheit hängt aber nicht nur vom Zähneputzen und vom Meiden von Süßigkeiten ab. Die anlagebedingte Festigkeit der Knochen und Zahnsubstanz, die allgemeinen Ernährungsgewohnheiten, Zeithetze und -mangel sowie eine Vielzahl von Schadstoffen können unsere körpereigenen Abwehrkräfte schwächen.
Daher kann man die Erkrankungen im Zahn-Kiefer-Bereich nicht isoliert betrachten. Es bestehen drei lebenserhaltende Grundbedürfnisse. Ähnlich der Schrift, die mit den Buchstaben lebt, hat auch unser Leben ein „AB(c)E“: A für Atmung, B für Bewegung und E für Ernährung.
A = Atmung
Für eine gesunde körperliche und damit auch Zahn-/Kieferentwicklung ist die Nasenatmung von Bedeutung. Beim Einatmen durch die Nase wird die Luft gefiltert, angewärmt, angefeuchtet und von Bakterien befreit.
Der Luftstrom wird in der Nase verwirbelt und entwickelt dadurch auf den harten Gaumen weitende Kräfte. Gleichzeitig wird bei der Nasenatmung die Zunge an den Oberkiefer gedrückt und trägt ebenfalls zu einer Dehnung bei. Die Lippen sind geschlossen und der Mund bleibt feucht.
Stellt sich anstatt der Nasenatmung eine Mundatmung ein, kann das zu Austrocknung, Belaganfälligkeit und einer Veränderung des Bakterienmilieus führen. Das fortwährende Überprüfen der Nasenatmung beugt schon im frühen Kindesalter Zahn-, Kiefer- und Haltungsschäden vor.
B = Bewegung
„Bewegung ist die Ursache des Lebens“ (Leonardo da Vinci)
Bewegung ist eine unverzichtbare Voraussetzung für Entwicklung, Wachstum und Reifung. Es gilt das Prinzip: „Das weiche, bewegliche Element formt das harte Element“. Unser Muskelkorsett, einschließlich der Gesichts- und Kaumuskulatur, formt unsere Gestalt und gibt Halt.
- Das Kiefergelenk wird stabilisiert. Zug und Druck formen harmonische Zahnbögen.
- Kräftiges Kauen fördert den Speichelfluss und unterstützt die Selbstreinigung des Gebisses.
Intensives Abbeißen und Kauen hängen entscheidend von der Art und Zusammensetzung unserer Lebensmittel ab.
(C) E = Ernährung
Über Ernährung gibt es viele Lehrmeinungen. Als Orientierungshilfen gelten:
- Lebensmittel aus kontrolliert-biologischem Anbau oder artgerechter Tierhaltung
- Säuren- und basenbildende Lebensmittel im Gleichgewicht halten
- Verwendung von frischen Kräutern
- Vermeidung von Fastfood
- 1,5 bis 2 Liter reines, sauberes Wasser (ohne Kohlensäure)
Ein zentrales Thema sind isolierte Kohlenhydrate (Zuckerstoffe). Klassische Süßigkeiten sind dabei nur ein Teil. Ein kurz dauernder „Süßreiz“ wird durch Speichel neutralisiert.
Mehr schädigend sind versteckte Zucker: als zugesetzte Geschmacks- und Konservierungsstoffe oder als langkettige Stärkefäden in Mehl- und Kartoffelprodukten. Der Stärkefaden wirkt wie ein „Langzeitlutscher“.
Wichtig sind auch Vitamine und Mineralstoffe in Schalenanteilen von Getreide und Knollen. Sie wirken der Übersäuerung entgegen und schonen körpereigene Knochen- und Zahndepots.
